Produktentwicklung im Energiesektor – Photovoltaik I

Innovative StartUps entwickeln zunehmend attraktive Produkte rund ums Haus. Eine Heizung ohne Investitionskosten mit 24/7-Service und einer attraktiven monatlichen Mietgebühr? Eine PV-Anlage für wenige Euro Aufpreis auf den bisherigen Stromabschlag im Monat? Digitale Prozesse und Services sowie ein radikales Umdenken machen dies möglich. Dadurch werden die teils trägen Prozesse und Strukturen der Energieversorger bedroht. Währenddessen ist für viele Energieversorger das Ausmaß der Konkurrenz auf dem Markt noch nicht klar geworden!

Stadtwerke und die Energiedienstleistungen

Es wurde kein Alt-Text für dieses Bild angegeben.Bei Stadtwerken sind bereits seit Jahren die Energiedienstleistungen, auch Non-Commodity-Produkte genannt, hoch im Kurs. Hierbei handelt es sich um Produkte rund ums Haus – die Heizung, die Solaranlage oder die Wallbox für das Elektroauto. Hauptsächlicher Treiber sind die erwarteten sinkenden Renditen der Strom und Gas (commodity) Produkte.[1] Viele Stadtwerke möchten mit den Energiedienstleistungen heute einen „Fuß in die Tür“ bekommen und sich so langfristig als Partner der heutigen Kunden positionieren. Dabei wird häufig der Begriff „Alles-aus-einer-Hand“ rund um das Thema Gebäude & Energie verwendet. Wie erfolgreich die jeweiligen Unternehmen mit dem Vorhaben sind, ist stark unterschiedlich. Ein relevantes Kriterium ist zumeist die Größe des Unternehmens sowie die Kultur und das Management. Mittelgroße Stadtwerke beispielsweise stehen grundsätzlich vor der Herausforderung, mit einer überschaubaren Mannschaft eine Vielzahl von Energiedienstleistungen abzuwickeln. Zumeist fehlt dadurch der Fokus auf die passenden Produkte und Dienstleistungen.

Der Klassiker – die Photovoltaik-Anlage

Vor genau 20 Jahren trat das „Erneuerbare-Energien-Gesetz – EEG“ in Kraft und brachte unter anderem eine Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen mit sich. „Für Strom aus solarer Strahlungsenergie beträgt die Vergütung mindestens 99 Pfennig pro Kilowattstunde“ [2] – hieß es damals. Für Privatpersonen sowie Unternehmen entstand damit eine Möglichkeit, mit langfristigem Investment attraktive Renditen zu erzielen.

Damit nahm der Markt der Photovoltaik (PV) Fahrt auf. Es war bei den Vergütungsbeträgen nicht verwunderlich, dass die ersten PV-Anlagen auf höchstmögliche Erträge zur Einspeisung des erzeugten Stroms in das öffentliche Netz ausgelegt waren. Mit jeder erzeugten Kilowattstunde wurde Geld verdient und so die Investitionskosten der Anlage refinanziert.

Heute hat sich der Fokus verschoben. Die technische Weiterentwicklung hat dazu geführt, dass PV-Module inzwischen eine höhere Leistung erzeugen. Zudem sind die Anlage nicht mehr so empfindlich gegenüber negativen Umwelteinflüssen (z.B. Verschattung, indirekte Einstrahlung). Die PV-Anlagen werden inzwischen aufgrund der enormen Fertigungskapazitäten des asiatischen Marktes deutlich günstiger angeboten. Dadurch sind die Investitionskosten gleicher Leistung für Endkunden stark gesunken, was die folgende Grafik verdeutlicht. [3]

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Gleichzeitig hat sich die Einspeisevergütung stetig reduziert, sodass seit April 2020 neue Anlagen mit einer Leistung bis 10 Kilowatt mit 9,44 Ct pro kWh vergütet werden [4]. Währenddessen ist der Strompreis für Privatpersonen in Deutschland von 2006 bis 2018 um etwa 51% gestiegen.

 

Strompreisveränderung für Endkunden von 2006 bis 2018Mit den veränderten Rahmenbedingungen hat sich die Herangehensweise der Anbieter an das Produkt „PV-Anlage“ geändert. Eigenverbrauch ist das neue Schlagwort – womit dem Kunden weiterhin eine Wirtschaftlichkeit in Aussicht gestellt wird.

Die durchschnittliche Amortisationszeit einer PV-Anlage gibt die Branche derzeit mit 9 – 11 Jahren an.

 

 

 

In meinem folgenden Artikel werde ich speziell auf innovative Photovoltaik-Produkte eingehen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

[1] Studie “Stadtwerke 2030”

[2] “Gesetz über den Vorrang erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG)”

[3] “Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland”

[4] “Gesetz zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes”